Das Internet, insbesondere Soziale Medien, gelten als besonders schnelllebig – doch eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Gerade diese Netzwerke basieren auf zwischenmenschlichen Beziehungen, und Vertrauen entsteht nicht über Nacht. Ich habe die Auswirkungen dieser Einsicht auf Recherche und Verifikation im Internet hier auf drei zentrale Thesen eingedampft:

1) Social-Media-Recherche ist kein Instrument, sondern eine Strategie

Im Wissenschaftsjournalismus sind wir gewohnt, auf eine bestehende Infrastruktur für die Recherche zurückzugreifen. Pressestellen, Bibliotheken, Repositorien und Datenbanken sind vorhanden und müssen nur noch aufgetan werden. Im Gegensatz dazu funktioniert Recherche in sozialen Medien nur mit einem sorgfältig gepflegten Netzwerk, das im Vorwege aufgebaut werden muss. Dementsprechend ist Social-Media-Recherche für ein isoliertes Thema nicht sinnvoll, sondern nur als Teil einer grundsätzlichen Recherchestrategie.

2) Wer nehmen will, muss auch geben

Um Themen, Informationen und Personen über soziale Medien zu finden, ist man oft auf die Hilfe Anderer angewiesen. Doch obwohl es im Internet durchaus üblich ist, sich für wildfremde Menschen einzusetzen, hängt die Hilfsbereitschaft anderer stark von eigenen Verhalten ab. Wer selbst hilfsbereit, großzügig und offen ist, hat bessere Chancen auf engagierte Unterstützung.

3) Der Faktencheck beginnt, lange bevor man eine Information bekommt

Es ist eine banale Erkenntnis, dass man gerade bei Social-Media-Quellen oft nicht auf den ersten Blick erkennt, wie zuverlässig eine Information und ihre Quelle ist. Deswegen sollte man gar nicht erst auf den ersten Blick angewiesen sein, wenn es darum geht, informationen zu verifizieren: Wer seine Follower kennt, ist im Vorteil. Zu wissen, welche Kontakte für welche Arten von Informationen zuverlässige Quellen sind, spart im Ernstfall Zeit und Mühe.

Lars Fischer
Lars Fischer
Chemiker und Wissenschaftsjournalist. Er ist Redakteur bei Spektrum.de.
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