Am Ende geht es im Wissenschaftsjournalismus schlicht darum, Sinn von Unsinn zu unterscheiden und das alles verständlich aufzuschreiben. Es mag andere Definitionen geben, andere Aspekte wissenschaftsjournalistischer Alltagspraxis. Im Kern aber dreht es sich immer wieder um die eingangs genannte Frage in fast unendlichen Varianten: Welche Aspekte eines Themas sind relevant, welche dürfen unter den Tisch fallen, welcher Experte hat wirklich was zu sagen und wer tut nur so?

Mit dieser grundlegenden Frage beschäftigen wir uns dieses Jahr im Rahmen unserer Session auf der Wissenswerte.
Pfeil-2013 Es geht also um die Frage, welche Merkmale echte Expertise hat und wie wir (als Wissenschaftsjournalisten) sie erkennen können.
Es geht um die Frage nach der Sprache, die Experten untereinander teilen und die Frage, ob und inwiefern wir als Wissenschaftsjournalisten uns dieser Sprache annähern, sie ein Stück weit mitsprechen können. Es geht um die Frage nach Wissen und Erfahrungen, die Mitglieder einer (professionellen) Diskursgemeinschaft teilen. Und es geht um die Frage, wie Fragen aussehen müssen, um zwischen Experten und Nicht-Experten zu unterscheiden.

Keine Angst: das klingt jetzt nach viel Theorie. Was wir am Montag ab 17.00 Uhr gemeinsam machen werden ist aber was anderes. Wir wollen (nicht nur, aber auch): Spielen! 🙂

Wir spielen das: ‚The Imitation Game‘

Wir lernen das „Imitation Game“ kennen und probieren es selbst in kleinen Gruppen aus. Das „Imitation Game“ (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Film) lehnt sich u.a. an den legendären Turing-Test an, in dem es darum geht zwischen Mensch und Maschine zu unterscheiden. Konkret: es gibt die Akteure A und B. Und ein Fragesteller C soll durch geeignete Fragen herausfinden, welcher von beiden „Maschine“, also nur künstliche Intelligenz ist.

In Anlehnung dazu haben Forscher an der Cardiff University in den letzten Jahren eine ganze Reihe an theoretischen und empirischen Untersuchungen angestellt, in denen sie der so genannten „Interactional Expertise‘ (IE) nachspüren. Es geht dabei u.a. um die sprachlich-diskursiven Merkmale, die Mitglieder einer sozialen Gruppe gemeinsam haben und somit unterscheidbar machen. Die Details wird uns Martin Weinel von der Uni Cardiff erklären. Und Martin wird uns zeigen, wie wir selbst das „Imitation Game“ spielen können.

Dazu bilden wir in der Session drei Gruppen. Einmal die Fragesteller (C), deren Rolle die Beurteilung ist (‚Judges‘). Und auf der anderen Seite die ‚echten‘ Experten (A), die eine Eigenschaft oder Expertise haben. Und die ‚gespielten‘ Experten (B), die Expertise lediglich imitieren.

In der Session benutzen wir zu diesem (Rollen-)Spiel eine App, die von den Forschern rund um Martin Weinel entwickelt wurde. Diese App sollten die Teilnehmer der Session zum Start auf ihre Tablets oder Smartphone installieren. (Die Teilnahme ist aber auch ohne Tablet/Smartphone möglich! Wir bilden kleine Gruppen, die gemeinsam ein Eingabegerät nutzen!)

Die ganzen weiteren Details erfahrt Ihr in der Session, die ab 17.00Uhr im Raum ‚Lloyd‘ staffindet.

Was wir versprechen können: Spaß, Spiel und vielleicht auch Schokolade. 🙂

Was wir hoffen, was die Session leisten soll:

  1. Infos über das Forschungsprojekt ‚Imitation Game‘ und einige der empirischen Ergebnisse.
  2. Sensibilisierung für die Sprache und Ausdrucksweise von Experten.
  3. Mehr Klarheit darüber, mit welchen Fragen wir den Experten auf den Zahn fühlen können.
  4. Selbsterkenntnis bzgl. unserer „Rolle“ in diesem Spiel und bzgl. unserer eigenen Sprachspiele.

Wir freuen uns auf Euch: Lars Fischer & Marc Scheloske

 

Marc Scheloske
Marc Scheloske
Sozialwissenschaftler und freier Journalist. Schreibt, bloggt und führt Workshops und Schulungen u.a. zum Thema ‚Wissenschaftskommunikation und Social Media‘ durch.
Twitter: Werkstatt | Blog: Wissenswerkstatt